Kabinett billigt Bericht über Entsorgung von Atommüll

Stand: 12.08.2015 16:43 Uhr

Das Bundeskabinett hat einen Bericht des Umweltministeriums zur Atommüll-Lagerung gebilligt. Das sogenannte Nationale Entsorgungsprogramm muss bis zum 23. August bei der Europäischen Kommission vorliegen – steht allerdings noch unter Vorbehalt.

Von Carsten Schabosky, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

Strom aus Atom verbrauchen fast alle. Aber: Wohin mit dem Atommüll? Umweltministerin Barbara Hendricks, SPD, hat dem Kabinett ein Konzept präsentiert, wie Atommüll entsorgt werden kann – und die Regierungsmannschaft hat dem ihr O.K. gegeben.

“Wir stellen uns der Verantwortung, das bisher ungelöste Problem der Atommüllentsorgung ernsthaft angegangen werden muss und nicht auf zukünftige Generationen abgewälzt werden darf”, so die Umweltministerin.

EU setzt Frist für Bericht

Inhalt des Nationalen Entsorgungsprogramms: Aller absehbarer und potenzieller Atommüll. Mit dem Programm kommt Schwarz-Rot einer Vorgabe der EU nach. Bis Ende kommender Woche muss es in Brüssel vorliegen. 

Hendricks betonte: “Andere Länder können das in demselben Umfang nicht. Aber wir wissen ja, wie lange noch radioaktive Abfälle bei uns produziert werden, nämlich bis zum Jahr 2022. Diese, auch durch die EU geforderte, Transparenz ist die notwendige Grundlage für eine offene und ehrliche Debatte.”

Bürgerbeteiligung für Ministerin wichtig

Eine Debatte ist der Ministerin besonders wichtig. Darum konnten Bürger auch vorab Stellung nehmen. Bedenken wurde Rechnung getragen, so das Ministerium – auch gegen die Schachtanlage Konrad als Endlager. Nun soll eine Erweiterung vermieden werden.

Allerdings: “Ich kann nicht garantieren, dass Schacht Konrad endgültig als mögliche Option für die Endlagerung der Asse und der Urananreichungsabfälle außen vor ist. Das wird wesentlich von den Ergebnissen der Beratung in der Endlagerkommision abhängt”, fügte Hendricks hinzu.

Hunderttausende Kubikmeter Abfall

Für die Endlagerung der radioaktiven Abfälle sieht das Konzept des Bundesumweltministeriums zwei Standorte vor: das bereits genehmigte Endlager Konrad für vernachlässigbar Wärme entwickelnde Abfälle und einen noch festzulegenden Standort für insbesondere hochradioaktive Abfälle.

Grundlage für das Programm ist übrigens ein aktuelles Verzeichnis, das alle Arten radioaktiver Abfälle erfasst, darunter knapp elf Tonnen Schwermetall aus Atomkraftwerken, aber auch  600.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle, zum Beispiel aus dem Rückbau von Anlagen.

Plan für das Jahr 2050

Zum Schluss ihrer Pressekonferenz bemerkt Umweltministerin Hendricks: “Was mich anbelangt, im Jahr 2050, wenn ich dann noch lebe, bin ich 98. Ob ich dann das noch erlebe, dass da noch Brennstäbe eingelagert werden, weiß ich nicht. Jedenfalls fühle ich mich in der Verantwortung, das hab ich bei anderer Gelegenheit schon gesagt. Wir müssen in unserer jeweiligen Verantwortungszeit das tun, was möglich und nötig ist.”

Das Nationale Entsorgungsprogramm in Sachen Atommüll steht allerdings noch unter Vorbehalt. Es stehen noch Empfehlungen der eingesetzten Endlagerkommission aus. Die Kommission soll ihren Bericht zum Auswahlverfahren für einen Endlagerstandort spätestens im Sommer 2016 vorlegen.

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